Donnerstag, 13. September 2012

Es sind diese vereinzelten Erinnerungen, die ich einfach nicht mehr loswerde. Die sich in mein Gehirn eingebrannt haben und sich nun hartnäckig weigern von dort zu verschwinden, in Vergessenheit zu geraten.

Ich liege auf ihm, wir sind beide nackt. Nicht nur körperlich, sondern voll und ganz, jede einzelne Maskerade wurde abgelegt. Der Geruch von Sex klebt noch an uns, doch der Moment ist viel intimer als der Vorherige es jemals sein könnte. Eben auf einer ganz anderen Art und Weise. Ich spüre wie seine Brust sich unter meinem Körper hebt und senkt, wünschte, ich könnte in dieser Position einschlafen. Wir reden ein bisschen über belangloses Zeug, bis ich ihn in seine Wange beiße. Ein wenig fester als eigentlich gewollt. Der Schalter ist umgelegt, die Stimmung ist vor Albernheit ganz angespannt, entlädt sich durch unser Gekichere, bis mein Atem ihn nicht mehr an seinem Hals kitzelt, bis die Küsse und die Berührungen wieder ruhiger werden. Tiefe Zufriedenheit füllt jeden Winkel meines Körpers aus, weil sich alles vollkommen richtig anfühlt, als ob ich endlich im Einklang mit mir selbst wäre.

Wir sitzen nebeneinander auf seinem Sofa, ich erzähle ihm alles. Dinge, die sich aus meinem Mund anhören wie Geschichten, die ich mir vor langer Zeit ausgedacht habe, die nichts mit mir zu tun haben können. Dinge, die ich lieber vergessen würde, als sie mit anderen zu teilen. Es ist wie eine kleine Offenbarung meinerseits. Ich hülle ihn in mein Leben ein, in meine tiefsten Gedanken und Erlebnisse, und auch wenn ich weiß, dass er mir das Gewicht, das auf meine Brust drückt, nicht nehmen kann, fühlt es sich gut an, dass er meine Hand hält, mich auf die Stirn küsst und da ist. Dass ich dazu gewillt bin, ihm ein großes Stück von mir anzuvertrauen. Alleine sein stummes Zuhören reicht aus, dass es kurz so wirkt, als ob ich ein wenig befreiter atmen könnte.

Es ist eine laue Sommernacht, sein Kopf ist auf meinem Bauch gebettet, meine Finger spielen mit seinem Haar. Es ist stockdunkel um uns herum, mein Blick ist auf die hellen Punkte über uns gerichtet, sucht nach Sternbildern. Das Gras kitzelt mich an meinen Fußknöcheln, die über die Decke ragen. Musik, die aus kleinen Boxen strömt, erfüllt die angenehme Stille zwischen uns, bis dieses eine gewisse Lied kommt. Welches wir uns längst tot gehört haben, aber in das wir völlig synchron und schief mit einstimmen, dabei immer lauter werden, bis wir ausgelassen in Lachen ausbrechen. Gemeinsam ein bisschen Kind sein, das Glücksgefühl genießen.

Er sitzt neben mir in der Bahn, seine Hand ruht auf meiner. Er hat den Kampf gegen sein Innerstes, gegen die Vernunft, verloren. Verbotene Gefühle werden geteilt, treiben mir die Tränen in die Augen. Die Endgültigkeit ist fast greifbar. Jedes Mal, wenn wir halten, weiterfahren und somit meinem Ziel ein Stückchen näher kommen, wird der Griff um meine Finger stärker. Ein letzter Versuch seinerseits: „Willst du nicht doch mit zu mir kommen?“ Ich schlucke schwer, kann ihm nicht in die Augen sehen. Die Bahn stoppt, ich stehe auf, nicht fähig dazu auch nur ein Wort zu sagen. Weil alles gesagt wurde, weil uns beiden das Unumgängliche bereits bewusst ist. Bevor ich aus der Tür gehe, drehe ich mich ein letztes Mal um. Sein Blick ist auf mich gerichtet und stellt ein Spiegelbild meiner Gefühle dar. Es ist vorbei. Der Geschmack des Gewissheit ist bitter und liegt bleischwer auf meiner Zunge. Die Tür piepst und schließt sich hinter mir und ich würde am liebsten laut lachen, weil diese Metapher für die Situation mich anwidert.

Es sind diese unsterblichen Erinnerungen, zu denen ich mich in schwachen Sekunden zurückwünsche. Weil ich es bereue, dass ich die einzigartige Schönheit jedes einzelnen Moments nicht vollkommen ausgeschöpft habe, weil ich sie noch einmal erleben möchte, intensiver und bewusster. Es sind die Erinnerungen, die ich vermisse. Nicht die Menschen.

Donnerstag, 23. August 2012

Es ist immer einfacher sein eigenes Fehlverhalten auf andere Menschen zu projizieren, ja, sie sogar als Hassobjekte zu idealisieren, anstatt nur eine Sekunde lang selbstzureflektieren und sich darüber bewusst zu werden, dass es eigentlich nur die eigene Person ist, die man nicht mehr leiden kann.

Donnerstag, 9. August 2012

Momentaufnahme

Der Himmel über uns ist schon lange dunkel, der Wind fegt uns leise durch die Haare, weht eine einzelne Strähne in mein Gesicht, die mich kitzelt. Ich streife sie weg, hinter mein Ohr. Es ist eine lauwarme Sommernacht, selbst im T-Shirt friere ich nicht, trotz weiter Überschreitung der Mitternachtsstunde. Ich drehe mein Kopf ein wenig seitwärts, in seine Richtung. Er läuft neben mir her, erzählt eifrig von einer lustigen Partygeschichte, die er erlebt hat am letzten Wochenende. Er ist so nahe neben mir, dass ich sein Aftershave riechen kann. Ein kleiner Schauer überläuft meinen Körper, hinterlässt Gänsehaut und Bauchkribbeln. Obwohl es sich gar nicht so anfühlt, wie ein Kribbeln. Mehr so, als würde sich der Magen zusammenziehen, ganz kurz nur und danach eine warme Flut durch den gesamten Körper schicken. Die Erinnerung an den letzten Abend, an dem ich in seinem Arm eingeschlafen, morgens auf seiner Brust wieder aufgewacht bin, hat sich mir ins Gedächtnis geschlichen. Was so ein Geruch manchmal auslösen kann.
Ich würde gerne seine Hand nehmen, die zwischendurch meine streift. Nur um kurz so zu tun, als ob dies ein Dauerzustand wäre zwischen uns. Als ob wir zusammengehören würden, für die Öffentlichkeit sichtbar. Obwohl es vielleicht wirklich irgendwann so sein wird. Ich finde ihn interessant und gutaussehend, so sehr, wie schon lange niemanden mehr. Und seine Küsse schmecken nach mehr. Aber ich will nichts überstürzen, das Risiko ist zu hoch.
Es war bisher ein schöner Abend. Nach dem Restaurant ins Kino und danach noch ein Spaziergang durch den Park, weil wir uns noch nicht voneinander lösen konnten. Weil wir beide noch einen Schritt weitergehen wollen und nicht sicher sind wie und wer vorangeht.
Wir bleiben vor einer Bank stehen, setzen uns hin. Seeblick, direkt vor unseren Füßen das von der Nacht schwarz gefärbte Wasser. Der Mond ist vollkommen rund, der Himmel leicht bewölkt.
„Es sieht ein bisschen so aus, als hätte der Mond den Himmel gebatikt“, sage ich.
Er legt seinen Kopf in den Nacken. Wie unheimlich gut er aussieht, wie perfekt seine Lippen geformt sind. Seine Lippen. Ich wünschte, er würde mir gehören, die Dinge zwischen uns wären längst geklärt, dann könnte ich ihn küssen, wann ich will.
Er sieht mich an, grinst. „Sollen wir etwas verrücktes tun?“
Ich antworte still mit einem fragenden Blick.
„Ich mein, es ist eine warme Nacht. Wie wär's mit einer Abkühlung im See?“
Noch bevor ich irgendetwas sage, stehe ich schon auf und ziehe mir mein T-Shirt über den Kopf. Scheiß drauf, für solche Aktionen bin ich immer zu haben. Solche Aktionen bleiben in Erinnerung.
Er lacht, schmeißt seine Klamotten neben meine, kommt mir hinterhergelaufen und zusammen springen wir in das kalte Nass, ohne auch nur eine Sekunde richtig nachzudenken. Es ist viel kälter als angenommen. Ich tauche kurz unter, spüre die Luftblasen an meinem Kopf entlang Richtung Oberfläche gleiten. Zwei Schwimmzüge und ich bin wieder an der Luft, atme tief ein, schüttle meinen Kopf, lache. Er taucht direkt neben mir auf, fährt sich mit der Hand durch die Haare, die wuschelig in alle Richtungen abstehen. Ich bin mit so viel Euphorie gefüllt, dass ich gar nicht mehr aufhören kann zu lachen, bis wir nebeneinander auf der Wiese liegen, das Wasser an uns herunterläuft. 
Er richtet seinen Oberkörper neben mir auf, stützt sich mit dem Arm so ab, dass er in Ruhe meinen Körper im hellen Mondlicht betrachten kann. Es ist ganz still, ich atme entspannt ein und aus, lautlos. Ich wünschte, ich könnte eine Momentaufnahme schießen. Für immer in mein Gedächtnis gebrannt.
Ich beginne zu frieren, der Wind lässt das Wasser wie eine dünne Eisschicht auf der Haut erscheinen. Wir stehen beide auf, ziehen unsere trockenen Kleidungsstücke an, die nach kurzer Zeit durchnässt sind. 
„Kommst du noch mit zu mir?“ Ich nicke. Welch rhetorische Frage, schließlich ist meine letzte Bahn schon vor Ewigkeiten gefahren. Er nimmt meine Hand, wieder der angenehme Schlag in der Magengegend. Ich halte sie fest, hoffe, dass er so schnell nicht wieder loslässt.

Mittwoch, 8. August 2012

Cologne. Wein x Vier, geradezu lieblich. Angetrunken Zukunftspläne schmieden, Schminke teilen, Kleidung tauschen. Durch die Straße laufen und lauthals "Call me maybe" brüllen, immer immer wieder. Lachen, good times, durch den Regen zum Open-Air. Auf Rasen tanzen, den Beat unter den Füßen spüren. Bauchfrei die Hitze ertragen. Platzregen, ein Schirm für Fünf. Die leckersten Pizzen der Welt essen, nachschminken, noch mehr Wein, noch mehr Bier, alles rein! Gegenseitig die Haare machen, ein bisschen Girly Girl sein. Vornachtrinken mit dem Wolfsrudel bei dem LEGOmann. LEGO Star Wars Figuren, Stellkästen und Grünzeug. Twinkle, twinkle little Cathi! Glitzer überall. Auf zur Bahn, ARTheater, Aftershow. Menschenmengen, Luftfeuchtigkeit 100%. Auf dem Boden sitzen, vor dem Club abkühlen, Todesmische. Freistaat Sachsen auf dem Kopf und verrückte Geräusche, die die Nacht erfüllen: ,,Mach noch mal die Grille!" Telefonate mit fastfremden Menschen vom anderen Ende Deutschlands, so kann man auch jemanden kennenlernen! Im Morgengrauen die Sonne verabschieden und ins Bett fallen. Zu wenig Schlaf, Kurvenschuhe und Bierstimme. Frisch geduscht Kinder-Zeichentrickserien gucken, fertig machen und alles wieder von vorn. :||




    
 



Manchmal würde ich dich gerne fragen, wie es dir geht. Einfach nur so.
Aber dann fällt mir wieder ein, dass du mir ja eigentlich egal bist.

Dienstag, 7. August 2012

Vorgestern war mir nach sehr langer Zeit endlich mal wieder danach etwas zu zeichnen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Vielleicht, weil ich mich vor ein paar Wochen bei Facebook gelöscht habe und meine Langeweile nun nicht mehr damit vertreiben kann, indem ich die Startseite im 5-Minuten-Takt aktualisiere und mir die Statusupdates durchlese. Oder einfach stumpf auf fremden Profilen rumhänge.
Jedenfalls hatte ich das Motiv schon seit Jahren im Kopf, obwohl ich das Bild eher mit Acrylfarbe auf eine Leinwand malen wollte. Aber dafür fehlte die Motivation dann doch.
Die Zigarette ist leider falsch herum, was mir im Nachhinein erst aufgefallen ist und was ich dann schnell geändert habe.
Irgendwie mag ich die Idee des Bildes. Jesus mit Zigarette und Bier, das Sacred Heart ein Astraherz. Könnte man als Gottesfigur der heutigen Jugend sehen oder einfach nur ein bisschen blasphemisch.