Der Himmel über uns ist schon lange
dunkel, der Wind fegt uns leise durch die Haare, weht eine einzelne
Strähne in mein Gesicht, die mich kitzelt. Ich streife sie weg,
hinter mein Ohr. Es ist eine lauwarme Sommernacht, selbst im T-Shirt
friere ich nicht, trotz weiter Überschreitung der
Mitternachtsstunde. Ich drehe mein Kopf ein wenig seitwärts, in
seine Richtung. Er läuft neben mir her, erzählt eifrig von einer
lustigen Partygeschichte, die er erlebt hat am letzten Wochenende. Er
ist so nahe neben mir, dass ich sein Aftershave riechen kann. Ein
kleiner Schauer überläuft meinen Körper, hinterlässt Gänsehaut und Bauchkribbeln. Obwohl es sich gar nicht so anfühlt,
wie ein Kribbeln. Mehr so, als würde sich der Magen zusammenziehen,
ganz kurz nur und danach eine warme Flut durch den gesamten Körper
schicken. Die Erinnerung an den letzten Abend, an dem ich in seinem
Arm eingeschlafen, morgens auf seiner Brust wieder aufgewacht bin,
hat sich mir ins Gedächtnis geschlichen. Was so ein Geruch manchmal
auslösen kann.
Ich würde gerne seine Hand nehmen, die
zwischendurch meine streift. Nur um kurz so zu tun, als ob dies ein
Dauerzustand wäre zwischen uns. Als ob wir zusammengehören würden,
für die Öffentlichkeit sichtbar. Obwohl es vielleicht wirklich
irgendwann so sein wird. Ich finde ihn interessant und gutaussehend,
so sehr, wie schon lange niemanden mehr. Und seine Küsse schmecken
nach mehr. Aber ich will nichts überstürzen, das Risiko ist zu
hoch.
Es war bisher ein schöner Abend. Nach dem
Restaurant ins Kino und danach noch ein Spaziergang durch den Park,
weil wir uns noch nicht voneinander lösen konnten. Weil
wir beide noch einen Schritt weitergehen wollen und nicht sicher sind
wie und wer vorangeht.
Wir bleiben vor einer Bank stehen,
setzen uns hin. Seeblick, direkt vor unseren Füßen das von der
Nacht schwarz gefärbte Wasser. Der Mond ist vollkommen rund, der
Himmel leicht bewölkt.
„Es sieht ein bisschen so aus, als
hätte der Mond den Himmel gebatikt“, sage ich.
Er legt seinen Kopf in den Nacken. Wie
unheimlich gut er aussieht, wie perfekt seine Lippen geformt sind.
Seine Lippen. Ich wünschte, er würde mir gehören, die Dinge
zwischen uns wären längst geklärt, dann könnte ich ihn küssen,
wann ich will.
Er sieht mich an, grinst. „Sollen wir
etwas verrücktes tun?“
Ich antworte still mit einem fragenden
Blick.
„Ich mein, es ist eine warme Nacht.
Wie wär's mit einer Abkühlung im See?“
Noch bevor ich irgendetwas sage, stehe
ich schon auf und ziehe mir mein T-Shirt über den Kopf. Scheiß
drauf, für solche Aktionen bin ich immer zu haben. Solche Aktionen
bleiben in Erinnerung.
Er lacht, schmeißt seine Klamotten
neben meine, kommt mir hinterhergelaufen und zusammen springen wir in
das kalte Nass, ohne auch nur eine Sekunde richtig nachzudenken. Es
ist viel kälter als angenommen. Ich tauche kurz unter, spüre die
Luftblasen an meinem Kopf entlang Richtung Oberfläche gleiten. Zwei
Schwimmzüge und ich bin wieder an der Luft, atme tief ein, schüttle
meinen Kopf, lache. Er taucht direkt neben mir auf, fährt sich mit
der Hand durch die Haare, die wuschelig in alle Richtungen abstehen.
Ich bin mit so viel Euphorie gefüllt, dass ich gar nicht mehr
aufhören kann zu lachen, bis wir nebeneinander auf der Wiese liegen,
das Wasser an uns herunterläuft.
Er richtet seinen Oberkörper neben
mir auf, stützt sich mit dem Arm so ab, dass er in Ruhe meinen
Körper im hellen Mondlicht betrachten kann. Es ist ganz still, ich
atme entspannt ein und aus, lautlos. Ich wünschte, ich könnte eine
Momentaufnahme schießen. Für immer in mein Gedächtnis gebrannt.
Ich beginne zu frieren, der Wind lässt
das Wasser wie eine dünne Eisschicht auf der Haut erscheinen. Wir
stehen beide auf, ziehen unsere trockenen Kleidungsstücke an, die
nach kurzer Zeit durchnässt sind.
Schöne Worte.
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